2. Lauf Tamiya-Cup 2012

2. Lauf Tamiya-Cup 2012
Es ist soweit: Es gibt wieder einen Bericht. Einen Bericht über ein packendes, spannendes und nervenaufreibendes Rennwochenende -wie immer aus meiner höchst persönlichen Sichtweise.

Samstag, Trainingstag:
Ich erreiche die in der Ausschreibung beschriebene Halle, und hänge mich gleich an Christian an, da für jemanden, der dort zum ersten Mal ist, nicht ersichtlich war, wo die Strecke denn nun sein soll.
Recht schnell finde ich im Windschatten von Christian das Fahrerlager und die Strecke.
Martin war so freundlich mir einen Platz anzubieten, ich durfte die Bekanntschaft von Herbert und Josef machen. Zwei ganz liebe Rennfahrer vom PSV Klagenfurt, mit denen ich in den folgenden 1,5 Tagen noch viel lachen durfte.
Nach einer kurzen Musterung der Strecke und Begrüßung der verschiedensten bekannten Gesichter baue ich mein „Fahrerlager“ auf. Das Zentrum für Perfektion, Energie, Kreativität …. und an diesem Wochenende auch Ersatzteilreduktion, Reparaturen und Schweiß.
Ich hatte mich gerade hingesetzt, da wurde auch gleich die Startgebühr kassiert:  ungewöhnlich, dachte ich mir, aber ob ich sie heute oder morgen bezahle ist ja egal.
Wie ich feststellen durfte, gab es diesmal eine Einteilung in Trainingsgruppen. Ab 13 Uhr war somit die Strecke für 15 Minuten für eine bestimmte Startergruppe reserviert. Zu meinem Erstaunen waren alle diszipliniert und haben sich ohne Ausnahmen daran gehalten.  Es sollten diesmal also Schlagzeilen ausbleiben wie „kleines GT-Teppichmesser filetiert bei Zusammenprall Tourenwagen“.
Da bis 13 Uhr noch freies Training war, nutzte ich die Zeit noch schnell, die Strecke kennen zu lernen und ein paar Runden zu drehen.  Abseits der Ideallinie kannte ich die Strecke recht bald und ab und an verirrte ich mich dann auch schon auf die Idealline.
Nach besagtem Probelauf reinigte ich mein Auto, schmierte die Reifen neu ein und wartet auf 13:15 Uhr, nur um gleich wieder weiter trainieren zu können.
13:15 Ich betrete den Fahrerstand und drehe die ersten paar Runden. Schnell und aggressiv nah an den Curbs eiere ich mein Auto um die Kurven. Ich bin stolz auf mich, der Killerinstinkt ist geweckt, das Training zahlt sich aus.
13:23: 7 Minuten vor Ende meiner Trainingszeit, verlasse ich den Fahrerturm, sammle mein Auto und die rumliegenden Teile ein und setze mich an meinen Tisch. Die Bande war offensichtlich stärker als meine rechte hintere Radaufhängung. Mit dem Gedanken „Rückschläge gibt es im Motorsport“ mache ich mich auf die Suche nach den ganzen Ersatzteilen und natürlich der Anleitung, wir wollen ja alles richtig machen. Nach kurzer Reparaturzeit geht es wieder an die Reinigung und Vorbereitung für den nächsten Trainingslauf. Die Zeit vertreibe ich mir mit Tratschen und natürlich mit aufsuchen des geschützten Raucherbereiches.
14:15 Ich betrete den Fahrerturm und fahre meine erste Runde…
14:16 Ich verlasse den Fahrerturm und sammle wieder alles ein…..
Die linke hintere Radaufhängung  ist weniger stark als ein TT-01 Plastikbomber im Seek & Destroy-Modus.
Ich schraube wieder. Ersatzteile sind noch da, wie`s geht weiß ich nun auch schon, das Handbuch liegt nur noch zur Sicherheit daneben. Herbert und Josef, die mir gegenüber sitzen, zweifeln schon sichtbar, wobei mir nicht klar ist, ob sie an meinem fahrerischen Können oder der Materialqualität zweifeln. Aus Rücksichtnahme auf mein leicht angekratztes Ego hinterfrage ich ihre Blicke nicht.
Rechtzeitig zum Ende meiner Trainingszeit ist auch die Reparatur abgeschlossen.  Ich zweifle an meiner Überzeugung, dass die Trainingseinteilung echt so eine gute Idee sind, da ich nun wieder 45 Minuten warten muss. Aber es gibt genug zu sehen, zu reden und Neuankömmlinge zu begrüßen, so dass sich keine Langeweile eingestellt hat.
15:15 der Dritte Trainingslauf beginnt, ich stehe am Fahrerstand und fahre wieder vorsichtig meine Runden, langsam entwickelt sich ein Gefühl für den zu meisternden Rundkurs. Dem Leser sei hier nochmal gesagt: ich bin Anfänger, demensprechend ist mein Gefühl für die Strecke nicht automatisch das richtige Gefühl. Eng um die Kurve zu „driften“ schaut zumindest für mich (noch) schnell aus!
15:24 Nach einer ungünstigen Beschleunigung  in einer  Kurve steht mein Auto quer auf der Strecke. Noch bevor ich es in Sicherheit bringen oder etwas zur Warnung rufen kann, befindet  sich mein Auto offenbar auf einem Kriegsschauplatz. Zwei TT-01 Granaten detonierten in der Seitenfront meines leidgeschundenen Autos und schleudern es  gegen die Bande. Ich muss  gar nicht erst testen, ob mein Vehikel diesen feindlichen Angriff überstanden hat. Der Vorderreifen, auf dem mein Auto aufgebockt ist, ist der eigene – ab in die Werkstatt. Ein Einschlag mit Mach 2 ist leider auch für einen karbonverstärkten C-Hub zu viel (für den nicht-fachkundigen Leser: ein c-förmiges Plastikteil der vorderen Radaufhängung). Dank intensiven Trainings in Traiskirchen kannte ich diesen Defekt schon und die kaputten Teile sind schnell ausgetauscht. 5 Minuten für ausbauen, zerlegen und zusammenbauen … weitere 4 Minuten für zerlegen und richtig zusammen bauen. Der Zeitdruck war groß, wollte ich doch gleich noch innerhalb der Trainingszeit testen, ob jetzt alles passt.
Leicht gefrustet von den 3 Ausfällen warte ich auf den nächsten Trainingsdurchgang.
16:15 Die Stock-Klasse darf wieder auf die Strecke. Ich begebe mich auf die Strecke und fahre meine Runden.
16:30 Juhu, kein Ausfall! Freudig trage ich mein Auto in die Werkstatt und gebe mich der Reinigung hin 😀 Herbert und Josef blicken verwundert auf mich und mein heil gebliebenes Auto.
Ein Training geht sich noch aus bevor ich weg muss. Das sollte ich nutzen, denke ich mir, und tratsche mich wieder bis 17:15 durch die Gegend.
17:15 Ein weiterer Trainingsdurchgang, eine weitere Niederlage. Ein bekanntes Fahrzeug detoniert wieder einmal in meinem Auto und schießt es gegen die Bande. Resultat: hintere Aushängung hat wieder zugeschlagen. Ja, ich schreibe absichtlich Aushängung.  Da nun der Hochwasserpegel meines Emotionsspeichers überschritten ist, nehme ich zwergisch murmelnd  mein Auto von der Strecke, und innerhalb von 5 Minuten ist ALLES eingepackt, eine russische Verabschiedung durchgeführt und meine Tasche und ich auf dem Weg Richtung Auto. Wer mich nun kennt, weiß wen und was ich alles verflucht habe, zu meiner Verwunderung auch mich selbst. Letzteres war mir neu und ist im österreichischen Rennsport eher unüblich. Man beachte einen gewissen Herrn Gerhard B. der  für seine zahlreichen Ausfälle immer einen Grund kannte – nur er war es nie. Aber ich will nicht ablenken.
Während meiner Heimreise stand für mich fest, dass ich den Renntag am Sonntag auslassen werde.
Viele Gründe schossen mir durch den Kopf, und der Ärger über 4 defekte Radaufhängungen in 5 Trainingsläufen wollte einfach nicht abnehmen.
Zu Hause angekommen, hat mir meine Liebste meine „Freude“ gleich am Nasenspitzerl angesehen und mich erst mal brav ausspinnen lassen ;). Der folgende angenehme und witzige Abend im Kreise des MRC Wr. Neustadt hatte neben Tina das übrige dazu beigetragen, dass ich wieder zu Hause angekommen mein Auto sorgfältigt repariert und mich geistig auf einen Rennsonntag eingestimmt habe.

Der Renntag:
Sonntag, pünktlich 15 Minuten vor dem ersten Läuten des Weckers stehe ich auf. Mein Unterbewusstsein spielt das Programm „Morgenkaffee“ ab, um auch das Bewusstsein wach zu bekommen. Mit 1,5 offenen Augen kontrolliere ich noch die Ausrüstung auf Vollständigkeit und mache mich reisefertig. Dann noch eine Verabschiedung, denn meine Rennstallleiterin hatte vor zu Hause zu bleiben, und ich bin schon auf dem Weg nach Wr. Neudorf.
Als ich bei der Halle ankomme, beeile ich mich mit dem Aufbau meiner „Werkstatt“, fasse gleich den Motor aus, um noch schnell einige Runden drehen zu können, damit ich mir für den ersten Vorlauf zumindest wieder Streckenführung in Erinnerung zu rufen kann.
Gegen 8:30 wird zur Fahrerbesprechung gerufen. Ich verstaue meine Sachen und warte gespannt darauf, was die Rennleitung denn zu sagen hat.
Das Gespräch ist schnell vorbei, einige säumige Zahler werden erinnert, die Startgebühr zu entrichten. Es wird darauf hingewiesen, dass „hinten reinfahren“ böse ist und geahndet wird.
Eine technische Abnahme gibt es auch nach jedem Lauf, Streckenpfosten muss man auch wieder machen und als Langsamerer soll man den Schnelleren vorbei lassen. Im Großen und Ganzen also nichts Neues.
9:13 meine Mitstreiter und ich bereiten uns auf den Lauf vor und drehen noch die ein oder andere Runde, bevor wir uns auf der Startposition einfinden sollen. Prompt gibt es auch schon die ersten Verständigungsprobleme. Es gibt unterschiedliche Auffassungen darüber, wo „Vualauf startet do hinta da Kurvn vua da Kuavn auf de Grode“ genau sein soll. Doch per Mikrofon gab es natürlich gleich eine höfliche Durchsage, um das Problem zu beheben. „Heast wo is bei euch hinta da Kuavn voa da Kuavn auf de Grode?!?“ Nachdem alle brav ihre Autos zurücksetzten, gab es keine weitere „Benachrichtigung“ mehr über das Mikrofon und die germanische Software-Männerstimme begann uns durch den Lauf zu begleiten.
Immerhin, alle Fahrzeuge fuhren richtig zur aufgerufen Startnummer los und begannen ihren ersten fünfminütigen Kampf gegen die Uhr.
Aus meiner Sicht ist der erste Vorlauf sehr ereignislos. Ich muss zwar einmal einen Streckenposten in Anspruch nehmen, bin aber wohl nicht der einzige, da ich immerhin als 6. starte und die fünftbeste Zeit ins Ziel fahre. Na gut, ganz ereignislos ist der Lauf nicht, meine Räder und Achsen sind  nach dem Lauf noch alle da, wo sie hin gehören ;).
Direkt nach dem Lauf wird das Auto zur technischen Abnahme gestellt, und ich suche mir einen gemütlichen Streckenpostenplatz aus. Ich schaue 5 Minuten lang den Boliden der Gentlemen-Klasse beim tieffliegen zu und überlege insgeheim wie lange mein TA-06 wohl zwischen diesen Geschossen überleben würde. Nachdem ich meine Pflicht als Streckenposten erfüllt habe, hole ich mein Auto, erkläre brav, dass es sich bei meinem Fahrzeug wirklich um ein Tamiya-Fahrzeug handelt Type TA-06,
schnappe mein Auto und fange mit den üblichen Reinigungs- und Vorbereitungsarbeiten für den nächsten Lauf an. Stefan, der so nett ist, mir für diesen Renntag Akkus zur Verfügung zu stellen, bringt mir einen neuen „vollen Tank“ und recht schnell ist wieder alles für den nächsten Lauf bereit. Zur Sicherheit kontrolliere ich aber die 4 Radaufhängungen genau und ungläubig.
Offensichtlich hat die Intensivbeschallung des Autos bei der Anreise mit „Ich tu dir weh“ von Rammstein etwas gebracht. Die Aufhängungen haben Angst und halten.
10:20 Diesmal stehen alle von Beginn an „in da Kuavn vua da Kuavn auf de Grode“ und ehe man sich versieht, flitzen wir auch schon alle los.
Gefühlt bin ich recht gut unterwegs. Ich bemühe mich, die Ideallinie so oft wie möglich zu treffen, und es gelingt mir zusehens auch. Doch was ist das?  Da fährt was kleines Schwarz-Grünes vor meinem Auto und macht nicht Platz. Ich bin doch der Schnellere! Gemein! Ich fahre hinterher.
Da meine Fähigkeiten im Überholen nur in groben Ansätzen existieren, warte ich darauf, dass mir Platz gemacht wird, weil ich will ja meinen Mitstreiter durch ein ungeschicktes Überholmanöver nicht touchieren, und natürlich schon gar nicht hinten reinfahren! 😀
Zwei Runden später … ICH WILL DEM HINTEN REINFAHREN! Der bloße Gedanke reicht aus, und es gelingt mir dann doch noch, an dem schwarz-grünen Auto vorbei zu kommen.
Immerhin habe ich noch die viertbeste Zeit dieses Laufes ins Ziel gebracht. Hätt ich-tät ich erspar ich dem geneigten Leser an dieser Stelle.
Es folgt das übliche: Technische Abnahme – Streckenposten – reinigen und auftanken – Kontrolle der Radaushängungen. Ich glaube ja insgeheim, die beiden Mitstreiter Josef und Herbert glauben schon , ich habe mein Auto ausgetauscht, weil es heute ja doch hält.
11:24 der dritte Vorlauf. Aus meiner Sicht recht ereignislos, es bot sich das übliche Bild. Den Blick auf mein Auto fokussiert drehe ich Runde um Runde.  Ein weiterer ereignisloser Vorlauf endet. Ich bringe mein Auto gerade zur technischen Abnahme, als mir Stefan entgegen eilt und mir gratuliert. „Wofür?“ frage ich erstaunt „Dafür, dass noch alle Räder dran sind?“. „Nein!“ entgegnet mir Stefan „Beste Zeit für dich, Erster!“. Tja, wie geht man mit so etwas um? Mein Unterbewusstsein signalisiert mir dezent „SCHAU DIR DIE LISTE AN! Vorher glaub kein Wort.“ Ich streckenposte mir wieder die Beine in den Bauch. Der Mann neben mir mit dem Mikrofon findet die Fahrweise der Gentlemen-Klasse offensichtlich nicht gut, wie mir seine Kommentare signalisieren: “ Des is a Waunsinn, so kauma jo ned foahn!“ begleitet von heftigem Kopfgeschüttel. Was der wohl über die Anfängerklasse denkt? Ich weiß zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass mir meine Frage bald beantwortet wird.
Nach Erfüllung meiner Pflicht als Pfosten, eile ich zur Liste und tatsächlich, ich hatte es geschafft, so gut zu fahren, während diejenigen vor mir offensichtlich einen Durchhänger hatten, dass ich den feinen Geruch des ersten Platzes schnüffeln durfte. Ich kannte dieses Gefühl ja bis dato noch nicht. Übrigens, ich kannte auch den Druck noch nicht, der dann automatisch auf einem lastet. Zum ersten Mal an diesem Wochenende kann ich so richtig und von ganzem Herzen lächeln.
12:28 der vierte Vorlauf beginnt. Angestachelt durch den ersten Platz des vorigen Laufes versuche ich wieder das Beste aus meinem Auto heraus zu holen. Es ist ein üblicher Vorlauf in der Stock, also der Einsteiger-Klasse, ab und an gibt es ein Gerangel. Und genau an dieser Stelle wird meine Frage von vorhin beantwortet: Der Mann mit dem Mikrofon teilt uns seine Gedanken mit: „Jetz foahts amoi anständig des kost ollas a Göd“.  – Guter Mann, es handelt sich um Anfänger! Die können keinen Schalter umlegen von Anfänger- auf Profi-Modus. Genauso wenig wie ein neugeborenes Kind ganze Sätze sprechen kann, da können`s es auch noch so sehr anmachen.
Ich lege den Mann geistig in der Schublade mit dem Buchstaben I ab und konzentriere mich wieder voll auf meine Fahrt. In der letzten Runde und zwar genau „in da Kuavn vua da Kuavn auf de Grode“ wird mein Auto gegen die Bande gedrückt. Unsanft und hart, so dass man das Plastik splittern hören kann. Mit 3 Rädern und einer plötzlich aufgekochten Wut schleppe ich mein Auto noch über die Zeitnehmungslinie.
Ich begutachte mein Fahrzeug und sehe: nichts Neues, die Radaushängung hat zugeschlagen.
Nachdem ich als Streckenposten wieder entlassen bin,  kümmere ich mich um mein Dreirad.
Die eiserne Reserve an Ersatzteilen wird verbaut, das Auto gereinigt und diverse Schrauben und Stangen auf guten Sitz überprüft. Das Gruppenfoto muss ich auslassen, da mir die Funktion meines Fahrzeuges für die Finalläufe wichtiger ist.
Nachdem aber weniger am Fahrzeug kaputt ist, als ich auf den ersten Blick dachte, schaffe ich es sogar noch zur Verlosung und zum Mittagessen. Man soll es ja nicht glauben, aber ich habe bei der Verlosung sogar etwas gewonnen und konnte mir eine Messlehre sichern, auf die ich schon seit Monaten ein Auge geworfen habe. Bodenfreiheit wird ab sofort in blaueloxiertem Aluminium gemessen :D.
Eine kleine Anekdote für Zwischendurch:
Ich habe in der Pause meine Frau Rennstallleiteren angerufen, um ihr vom Stand des Renntages zu berichten. Als ich ihr freudig mitteile, dass es mir sogar gelungen ist, in einem Vorlauf als Erster zu landen, kommt nach kurzem Schweigen nur ein „Wieso? Sind alle anderen ausgefallen?“. 😀
Doch gleich darauf können wir beide darüber lachen, und ich glaube sogar eine Gratulation wahrzunehmen.
Ich lasse mir dann erklären, wie das System zum Ermitteln der Startnummern funktioniert, da mir nicht und nicht eingehen will, warum ich Startnummer 5 ausgefasst habe. Da die besten beiden Vorläufe gewertet werden, wie ich ursprünglich dachte, ist doch 4 + 1 Platz zwar mathematisch der 5., aber doch nicht wirklich, oder? Stefan nimmt sich geduldig die Zeit und erklärt mir, wie sich das berechnet. Ich muss ihm rechtgeben. Startnummer 5 für die Finalläufe. Naja, immerhin habe ich mich um einen Platz verbessert.
14:11 Der erste Finallauf des Tamiya-Tages beginnt gleich. Mangels Erklärung des „Rennleiters“ und Markierung von Startpositionen auf „da Grodn“ warten die Fahrer brav „in da Kuavn vua da Kuavn auf de Grode“ und werden prompt gemaßregelt, „ ob sie ned wissn dass des ka Voalauf mehr is und sie soin se gfölligst gscheid aufstön.“ Ein Mensch, der weiß, was gewünscht ist, hilft dann beim Aufklären und positioniert die Fahrzeuge auf den richtigen Positionen.
Die Formelboliden starteten los, und wir Anfänger nutzen die Gelegenheit und schauen den Profis beim Fahren zu. Zumindest einige Runden, denn dann müssen wir uns schon für unseren Finallauf vorbereiten.
14:23 Stock, Finallauf 1, Sonnenschein, die Frisur….- moment.
14:23 Stock, wir stehen bereit zum ersten Finallauf. Beim Startpfiff setzt sich das Starterfeld in Bewegung und bereits in den ersten beiden Kurven gibt es die ersten unfreiwilligen Positionswechsel.
Da leider überhaupt nichts kommentiert wird, gibt es oft Fragen auf dem Fahrerstand, soll man doch einen, der bereits überrundet, vorbeilassen. Da sich aber jeder auf seinen Lauf konzentriert und sich die Positionen der anderen nicht merkt, ist man hierbei auf Mithilfe des Rennleiters angewiesen.
Diese Mithilfe blieb aus, somit auch Großteils das Vorbeilassen.
Ich beendete diesen Finallauf immerhin an 4. Stelle.
Der restliche Nachmittag verläuft dann in etwa so wie das bisher erlebte. Keine besonderen Ereignisse mehr. Bis auf einen Spalt zwischen den Teppichplatten der Fahrbahn, der allen Fahrern in den 3. Finalläufen einen Strich durch die Ideallinie macht. Mich persönlich wundert es aber nicht, dass dies vom Veranstalter ignoriert wird. Die Aussagen des Mannes mit dem Mikrofon, der sich für mich auch zeitgleich als Obmann des veranstaltenden Vereines herausgestellt hat, haben eh so ziemlich jedem Tamiyaner gezeigt, dass er nur geduldet ist, und dass mit der Kombination der beiden Veranstaltungen der zeitgleich stattfindende Club-Lauf des eigenen Vereins nicht ganz so teuer zu finanzieren ist.
Ich beende den zweiten Lauf als 5. und den dritten Lauf wieder als 4., rechnete mir also Position 8 in der Gesamtwertung aus. 😉 Es kommt nicht ganz so, immerhin bin ich dann doch auf dem fünften Platz.
Zwischen dem Wegräumen sämtlicher mitgebrachter Materialen und Werkzeuge und der Siegerehrung kommt mir dann noch zu Ohren, dass ein Tamiyaner unter Androhung eines Polizeieinsatzes ein Hausverbot ausgesprochen bekommen hat, und zwar weil er sich gegen eine verbale Attacke ebenso verbal gewehrt hat.  Ein Verweis von der Veranstaltung wäre wohl ebenso nicht notwendig gewesen, aber wenigstens das rechtlich zustehende Mittel. Ein Hausverbot kann in der Sporthalle der Gemeinde Wiener Neudorf auch nur von der „Gemeinde“ ausgesprochen werden, Herr Obmann des ERC.
Um dieses Thema abzuschließen sei noch erwähnt, dass uns während der Siegerehrung noch der Veranstaltungsort unter den Füßen weg geräumt wurde, und der ERC in Form seines Obmanns einige Tamiyaner noch wissen ließ, dass er sehr froh darüber sei, uns nicht mehr sehen zu müssen.
Zusammengefasst war dies der teuerste Renneinsatz für mich in meiner bisherigen, kurzen Laufbahn.
Trotz der Probleme mit dem Veranstalter war es ein gelungenes Rennwochenende des Tamiya-Cups Österreich. Es gab Höhen und Tiefen und abseits der Strecke auch viel zu lachen.
Ich bin überzeugt davon, dass es noch viele schöne Läufe in der heurigen Saison des Tamiya-Cups geben wird. Allerdings wird davon keiner mehr in Wiener Neudorf stattfinden.
Kein Verlust, wie ich finde.

 

6 Comments

  1. Lieber Lucas
    Vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht über das Rennwochenende. Ich habe mich mal wieder köstlich amüsiert. :giggle: Du schreibst die Berichte so toll, ich habe immer das Gefühl dabei gewesen zu sein.
    Herzlichen Glückwunsch zum ersten Platz in einer der Vorrunden. Den Spruch deiner Liebsten fand ich natürlich nicht so lieb. Herzlichen Glückwunsch zum 5. Platz in der Gesamtwertung. :yes:
    Über die Rennleitung oder den Kommentator äussere ich mich hier wohl besser nicht. In der Schublade I wird er aber gut abgelegt sein.
    Liebe Grüsse
    Patrizia

  2. „in da Kuavn vua da Kuavn auf de Grode“ – davon hast du mir nichts erzählt 😀

    Der Typ war aber auch ein … Ungustl? ^^

    Sehr gut wie immer und wie immer unterhaltsam 😀

  3. @stellina:
    Danke für deine Glückwünsche! Leider verhält es sich so, dass ein erster Platz bei den Vorläufen zwar nett ist aber nicht wirklich viel bringt. Ausser natürlich man hat zwei Stück davon. Das ist mir aber leider nicht gelungen ;).
    Tina und ich konnten über den Spruch ja gleich lachen und ich habe das Gefühl, dass die Meldung eine künftig sehr oft erzählte, witzige Anekdote wird :D.

    @Punika:
    Ja, er war leider wirklich ein Ungustl. Es ist halt nicht jeder als Profi auf die Welt gekommen – so wie er offensichtlich. 😉 Es wirft halt ein schlechtes Licht auf seinen ganzen Verein, wenn er sich als Obmann seinen Gästen gegenüber so negativ verhält. Aber das müssen die Damen und Herren Neudörfer untereinander ausmachen.

  4. Hallo Lukas,
    schöner Bericht, der alle Höhen und Tiefen eines RC-Car Piloten am Beginn seiner Laufbahn wiedergibt. Es gefällt mir, dass du so ergeizig bei der Sache bist und der Erfolg wird sich sicher bald einstellen.
    Mit dem TA-06 hast du dir aber sicher kein einfaches Auto ausgesucht. Er ist eben ganz neu und für Einsteiger etwas kompliziert und scheinbar auch empfindlich gegen Bandenküsse. Aber da musst jetzt durch.
    Bald sind wir ja draußen und die Wiesen neben der Strecke sind nicht so hart. Es gibt aber auch Kurse wo man aufpassen muss _> Grafenwörth, St.Pölten!
    lg Walter

  5. Lucas, kongenialer Schreiberling der ferngelenkten Zunft. Deine Fangemeinde kaut sich die Fingernägel ab in Erwartung Deines Rennberichtes vom 3. Tamiya-Cuplauf in Salzburg …

    • Ich arbeite bereits daran 🙂 Immerhin soll der Artikel ja wieder humorvoll gestaltet sein ;-).
      Ich bin aber sehr zuversichtlich das ich ihn noch diese Woche ins Netz stellen kann 🙂
      Liebe Grüße
      Lucas

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