5. Tamiya-Cup in Linz

Nach so einem Wochenende wie in Linz gibt es ja einiges zu tun. Beispielsweise ausgiebig frühstücken, oder sich die Hände mehrmals hintereinander gründlich mit Wasser UND Seife zu waschen. Aber dazu später mehr 🙂 Es war also schon wieder so weit, ein Rennwochenende liegt hinter mir. Auf den folgenden Seiten werde ich wieder versuchen den geneigten Leser ein wenig an den Geschehnissen aus meiner Sicht teilhaben zu lassen.

Samstag: Ein gemütlicher Morgen ist angebrochen, ich stehe auf, wohlwissend das ich in 2 Stunden im Auto nach Linz sitzen soll und setze mich mit einem Kaffee zum Notebook. Meine Rennstall-Chefin sieht mich ob meiner offensichtlichen Ruhe erstaunt an. Warum ich nicht zusammenpacke? Das RC-Zeug ist unfertig, aber eingepackt. Gewand werd ich auch noch irgendwann raus suchen, es ist also alles bestens. Noch. Gegen neun Uhr bekomme ich kurzzeitigen Stress, ziehe mein „Rennfahrergewand“ an und packe zusammen. Das Resultat ist erschrecken. ein geschätzter Kubikmeter RC-Ausrüstung und eine kleine Umhängetasche mit Gewand und Kulturbeutel. Ich vertreibe mir die Zeit noch ein wenig, denn Stefan will ja gegen zehn Uhr da sein damit wir wieder gemeinsam die Reise antreten.
Punkt zehn Uhr, Stefan tritt auf den Plan. Wir räumen meinen Kubikmeter Ausrüstung und Stefans gefühlte zwei Kubikmeter in mein Auto. Erstaunlicherweise sehe ich sogar noch etwas im Rückspiegel in unserem RC-Transport-LKW. Es folgt die Verabschiedung meiner Rennstallleiterin, die wie immer Haus und Hof hütet und Stefan und ich treten die Reise an.
Auf der Autobahn begegnet uns das übliche Gefleuch: LKWs, untermotorisierte, notorische Linksfahrer und diverse andere Verkehrshindernisse. Doch wir hatten -wie immer- viel zu besprechen, und so war die Fahrt bis Linz recht kurzweilig. Erstaunlicherweise und wider all unsere Erwartungen haben wir es diesmal auf Anhieb zum Hotel geschafft. Kein Verfahren, keine seltsamen Schilder, Umleitungen, Verwirrungen. In der Weltstadt Linz sind Straßen eben noch Straßen und kein Dekorationsmaterial für Verkehrsschilder wie in Salzburg.
Wir tragen das Häufchen nicht RC-Material in unsere Zimmer und machen uns gleich auf den Weg zur Rennstrecke.  Erstaunlicherweise hat uns das Navigationsgerät wenn auch auf seltsamen aber vermeintlich schnellstem Wege zur Rennstrecke geführt. Dem Ausladen der Ausrüstung steht also nichts mehr im Wege und schon finden wir uns auch bei Xal und Schugga wieder und bauen unsere Werkstätten auf. Wie bereits eingangs erwähnt ist meine Ausrüstung zwar vollständig, aber die Akkus sind leer und die Reifen noch alle schmutzig vom Training. Also darf ich, während schon einige Tamiyaner fleißig am trainieren sind Akkus laden und mir die Wartezeit mit Reifenputzen vertreiben. Die restliche Zeit vertreibe ich mir mit der Inspektion der Strecke.
Eine schöne, glatt asphaltierte Strecke mit recht flachen Curbs und Kunstrasen als Streckenbegrenzung. Das Auge ist schon einmal begeistert. Auch der Rest der Anlage, wie das im Gebäude befindlicheFahrerlager sowie der über Stiegen erreichbare Fahrerstand zeigen das das Gelände des RCR Linz wirklich ein Juwel im österreichischen RC-Sport ist.
Endlich kann ich meine ersten Runden mit meinem liebgewonnenen großen Auto drehen. Ich stelle also mein Auto in die Boxengasse und erklimme den Fahrerstand. Die erste Runde wird wieder erfolgreich herum geeiert. Ich rede mich jetzt einfach darauf aus, das das bei mir bereits Tradition ist :D. Ich eiere also meine erste Runde zu Ende und steigere langsam aber stetig die Geschwindigkeit pro Runde. Nach guten 15 Minuten und 90 Grad Motortemperatur beende ich den ersten Trainingslauf. Da sich mein Auto auf der Strecke ein wenig „schwammig“ verhält beschließe ich die Federn eine Stufe härter zu wählen und beim nächsten Trainingsdurchgang mein gefährliches Halbwissen durch mein Auto bestätigen zu lassen.
Zeitgleich mir unserer Trainingstag findet auch ein Clublauf des RCR Linz statt, daher ist das Training diesmal nur eingeschränkt möglich. Ich beschließe also auf den nächsten Zyklus zu warten, da die Mittagspause des RCR Linz gleich zu Ende geht und deren Clublauf wieder mit 3 Durchgängen über die Strecke flitzen wird. Ich widme mich also dem Sorgenkind unseres Rennstalls. Dem M-06, der grünen Hölle. Auch hier werden die Reifen gereinigt, ein voller Akku eingelegt und diverse Beschwörungsrituale und Stoßgebete abgesetzt. Das letzte Training, und diverse Untersuchungen haben ergeben, dass das Auto in Neustadt bereits recht brauchbar zu steuern ist. Aber gerade bei dem kleinen Kübel heißt es leider immer wieder „neue Strecke – neues Glück?“.
Ich schaue die verbleibenden Minuten bis zum nächsten Training beim Clublauf zu und versuche mir Linie und Einlenkpunkte für die diversen Kurven zu merken bzw. abzuschauen. Was soll ich sagen, der Versuch es zu schaffen macht mich schon stolz, gelungen ist es mit natürlich nicht. Zumal ich während meines ersten Trainingslaufes mit dem grünen Mini-Eimer recht bald feststellen muss, dass das Heck meines Fahrzeuges nach wie vor nicht Kurvenkompatibel ist und gerne mal eine Extrarunde dreht. Ich fahre also erst langsamer und ohne Drehungen und dann wieder ein wenig schneller mit vielen Drehungen. Auf Anfrage wird mir mitgeteilt dass ich keine Bonuszeit für einen „threesixty“ bekomme. Ich schleppe also schweren Herzens das grüne Ei wieder in die Werkstatt.
In den folgenden Trainingsläufen wird einiges probiert, härtere Federn, weichere Federn, härtere Dämpfer, weichere Dämpfer. Was soll ich sagen, der M-06 ist nun einfach mal ein Auto das sein Hinterteil gern im Kreis dreht. Nach einigen frustrierenden M-Chassis Trainingsläufen schnappe ich mir mein großes Auto und fahre zwei Akkus damit. DAS macht Spaß! Nachdem ich also mein Gemüt beruhigt habe kümmere ich mich wieder um die grüne Flunder. Ich denke mir schon, dass es an der grün lackierten Karosserie liegen muss, bekomme aber noch einige Tipps von Christian und versuche mein Glück erneut.  Beim drehen der ersten Runden im Schneckentempo überkommt mich eine Gewisse angenehme Überraschung. Ich versuche dieses annähernd aufkeimende Selbstvertrauen am Steuer der grünen Hölle zu steigern und fahre schneller. Erstaunlich. Das Auto bleibt auf der Strecke. Es dreht sich nicht ein. Ich beginne Engelschöre singen zu hören, nachdem mein kleines grünes bereits 5 Runden ohne Ausritt hingelegt hat. Nach dem Trainingsdurchlauf schnappe ich mir mein Auto um es zu pflegen. Zum ersten Mal scheint die Spannung zwischen mir und dem m-Auto ein wenig abzuflauen. Beim Reinigen der Reifen werde ich aber auch schon wieder bestraft für meine Glücksgefühle. Die Antriebsreifen sind am Übergang von Flanke zu Lauffläche aufgerissen. Zwei Reifen im Eimer und das nach 4 Akkuladungen.  Es stellt sich aber sehr schnell heraus, das mit diesem Problem nicht alleine bin, die M-Reifen scheinen neben teuer auch nicht gerade langlebig zu sein. Da ich keine Ersatzreifen für das grüne Ei habe, weil ich auf Grund unseres angespannten Verhältnisses kein Geld mehr investieren wollte, sehe ich die Rennteilnahme gefährdet. Ein Telefonat später erklärt sich Martin bereit mir 2 Reifen zu überlassen die er als Ersatzreifen zur Seite gelegt hat. Da ich aber nicht in Fremden Taschen rumkrame, muss ich bis morgen warten. Ich drehe also mangels Material noch Zahlreiche Runden mit meinem großen Auto und neben diversen Gesprächen und Scherzen vergeht die Zeit im Fluge. Die Sonne lässt den wolkenlosen Himmel bereits einem schönen gelb bis roten Farbverlauf erglühen und die ersten Anzeichen des Hungers machen sich breit. Wir beschließen also das Training zu beenden und uns etwas essbares in Linz zu suchen. Nach einem kurzen Abstecher zum Hotel fahren wir zu fünft weiter. Xal, Schugga, Stefan, TomTom und ich. Ich habe das Vergnügen unser Vehikel durch die bereits Menschen- und Fahrzeugleeren Straßen von Linz-Leonding zu steuern. Schugga teilt uns eine Liste diverser Lokalarten mit. Wir einigen uns auf ein Lokal das in der Eduard-Süß Straße zu finden sein soll. Den Namen des angeblichen Lokals habe ich allerdings bereits wieder vergessen. Frau TomTom wird also mit der Adresse gefüttert und schon wenden wir. Wir erreichen recht bald besagte Straße. Doch außer Nacht und Firmen findet sich dort kein Lokal. Es ist uns mittlerweile ja nicht mehr neu, dass den Linzern das Wochenende heilig erscheint und nach Möglichkeit alles geschlossen ist an Samstagen und Sonntagen. Ernüchtert entscheiden wir also das einzige „Lokal“ das in Linz nach 21 Uhr noch zu existieren scheint aufzusuchen … Mc Donalds. Glücklicherweise stolpern wir dann aber doch noch über eine serbische Pizzeria. Wir lassen also den Trainingstag ausklingen und nach einem ausgiebigen Essen geht es wieder zurück in unser Hotel. Wir vereinbaren uns wie im Vorfeld bestellt um sieben beim Frühstück einzufinden und verkriechen uns in unsere Zimmer. Ich hatte bereits in Salzburg das Glück die größere Einzelzelle zu bekommen, hatte aber die Rechnung ohne dem Badezimmer-Konstrukteur gemacht. Eigentlich will ich gar nicht wissen wie die damals diese Klomuschel zwischen Wand und Duschkabine gebracht haben. Mir war klar die Benutzung dieses speziellen Ortes könnte für Angstschweiß sorgen.
Ich versuche noch meine Mechaniker-Finger endlich mit Seife sauber zu bekommen, denn auf der Strecke gibt es es zwar Wasser, aber aus dem Seifenspender staubt es bereits so trocken ist der. Da auch der Seifenspender meines Hotels nichts hergibt muss eben das Duschgel herhalten. Ich verkrieche mich dann in mein nicht mehr nach Weichspüler riechendes Bett und versuche den Gedanken „Was sind eigentlich Bettwanzen“ zu vertreiben und endlich einzuschlafen.

Sonntag – Renntag:
5:54: Nachdem ich zum Gefühlten 20 mal auf die Uhr gesehen habe in dieser Nacht, fühle ich mich erlöst gleich aufstehen zu dürfen. Eine ausgiebige Dusche wird mich schon wieder aufrichten denke ich mir und versuche ein Mittelding zwischen heiß und kalt aus dem Brausekopf zu zaubern. Nach fünf Minuten bleibt es bei laukalt duschen.
6:20: Ich bin fertig mit allem was es in diesem Zimmer noch zu tun gibt und packe meine Tasche. Da es draußen bereits sonnig und recht warm ist, vertrete ich mir die Beine und versuche mich geistig auf den Renntag einzustellen. Ha, bald gibt es Frühstück denke ich mir und begrüße Xal und Schugga die bereits verwundert aus dem Fenster blicken. Ich muss zugeben, meine aus Langweile gemachten „Dehnungsübungen“ müssen ja auch zu so früher Stunde extrem bescheuert ausgesehen haben :D. Wir sammeln uns zusammen und warten ungeduldig aufs Frühstück. Es wird sieben Uhr, wir sind da, die Rezeption sowie das Restraunt sind nachwievor leer bzw. geschlossen. Um 7:10 versuchen wir telefonisch an Frühstück zu kommen. Um 7:30 verlassen wir unbefrühstückt und trotzdem angefressen unser Hotel. Die Rechnung für Zimmer ohne Frühstück werden uns nachgeschickt. Die telefonische Entschuldigung macht uns auch nicht satt.
Der Weg zwischen Hotel und Rennstrecke führt bei einer McDonalds-Niederlassung vorbei, aber wie könnte es in Linz auch anders sein, auch hier stehen wir vor verschlossenen Türen. Liebe Linzer, …. ach lassen wir das, ist ja sinnlos. Ungefrühstückt geht es auf zur Rennstrecke. Die Werkstätten werden wieder aufgebaut, Startgeld wird bezahlt und ich baue auch schon meinen Pool-Motor in mein großes Auto ein. Es ist noch genug Zeit, also kann ich mit dem großen Auto noch trainieren. Ich hole mir noch die Reifen von Martin, damit ich auch mein kleines Auto fahrbereit habe, da ich ja gleich zwei Läufe hintereinander fahren darf. Ich montiere die Reifen ohne Rille hinten und die von Martin, die auch bereits Rillen aufweisen an der Vorderachse.
8:40: Fahrerbesprechung: Das lange vermisste „hinten reinfahren ist böse“ erlebt ein unerwartetes Comeback. Nach Alleswurscht-Neudorf und Outlaw-Salzburg ist die Fahrerbesprechung richtig ergiebig und angenehm. Das Gefühl eine Rennleitung zu haben ist doch schon mal sehr gut. Pünktlich um neun Uhr geht es auch schon los, die Gruppe Stock darf natürlich als erster in die Vorläufe starten. Ich fahre also  zwei Aufwärmrunden und Reihe mich dann ein um beim Start von der Computerstimme aufgerufen als Fünfter los zu fahren. Erstaunlicherweise klappt der Start diesmal reibungslos. Alle Autos fahren zum richtigen Zeitpunkt los und beginnen ihren Kampf gegen die Uhr. Es ist ein sehr disziplinierter Durchgang es gibt kaum Ausfälle oder Berührungen und ich kann beruhigt meine Runden drehen. Der Lauf endet, ich eile nach unten um das große Auto zur technischen Abnahme zu bringen und mein kleines Auto startbereit zu machen. Nach einer weiteren Aufwärmrunde stehen wir auch schon wieder zum Start bereit. Startnummer sechs ziert die Windschutzscheibe der grünen Hölle. Bei einem Starterfeld von acht Fahrern immerhin schon mal weiter vorne als ich es mir zu träumen gewagt hätte :D. Wieder werden die Fahrzeuge aufgerufen und schon beginnt die wilde Jagd. Gleich in der ersten Runde gebe ich meine Position sechs unfreiwillig auf. Das grüne Ding wusste schon wieder nicht wo vorne und hinten ist und hat sich für eine Drehung entschieden. Würg. Da aber meine Mitstreiter auch wohl noch müde waren, habe ich wieder aufholen können und den Lauf immerhin noch als sechster beenden können.
Nach dem Lauf finde ich auch endlich Zeit nachzulesen wie mein Lauf mit dem großen Auto ausgegangen ist: Drittbeste Zeit bei neun Startern. Zumindest auf der Strecke scheint es ein gelungener Start in den Tag zu sein.
Es folgt das übliche, Streckenposten bei der Gentlemen-Klasse, danach geht es ab ins Fahrerlager zum aufladen der Akkus und reinigen der Autos und Reifen. Als ich den Akku kontrollieren wollte der bereits während meiner Rennen aufgeladen wurde, zeigt mir mein Ladegerät eine seltsame Fehlermeldung. Wegdrücken, schauen was passiert. Es lädt wieder, wunderbar. Nachdem meine Reinigungsarbeiten an beiden Fahrzeugen abgeschlossen sind will ich meinen hoffentlich schon vollen Akku nehmen doch -oh Schreck- wieder diese Fehlermeldung. Ich will den Akku wechseln und beim Abstecken der Kabel entdecke ich, naja eigentlich entdeckt Xal den Grund für das Spinnen meines Ladegerätes. der Balancer-Stecker, ein kleiner Bananenstecker, befindet sich noch im Akku während ich den Rest vom Kabel bereits in der Hand halte. Juhu, Ladekabel im Eimer, einen Ersatz habe ich natürlich nicht, weil DAMIT hätt ich absolut nicht gerechnet. Xal ist so nett mir ein Kabel zu borgen damit ich zumindest einen Akku voll bekomme. Stefan borgt mir freundlicherweise einen von seinen Akkus und schon kann ich wieder mit beiden Boliden Richtung Startplatz marschieren.
Schon geht es auf zum zweiten Vorlauf der Stock-Klasse. Und nach weiteren 6 Minuten geht ein ereignisloser, disziplinierter Vorlauf zu Ende. Wieder Position drei. Das muntert auf und freudig tausche ich wieder meine Autos. Die grüne Hölle befindet sich wieder auf der Strecke, und nach einigen Runden auch schon im Kunstrasen. Der Versuch mein Auto zu befreien schlägt fehl, der junge Streckenposten braucht auch sehr lange bis ihm mein grünes Ding im grünen Rasen auffällt und somit vergeht Sekunde um Sekunde bis ich meine Fahrt fortsetzen kann. Letzter Platz. Naja fast. ein Starter ist nicht angetreten und somit war ich siebenter, trotzdem der letzte Platz. In doppelter Hinsicht sehr ärgerlich.
Das übliche Programm bietet sich: Streckenposten machen, Autos reinigen, Reifen reinigen, Akkus laden, warten und tratschen. Wir werden aufgerufen zum dritten Vorlauf, ich fahre wieder einige Aufwärmrunden und schon geht die Fahrt los. Auch dieser Vorlauf war recht fair, von den meisten Fahrern halt. Einer fällt immer aus der Rolle,  witziger weise ist es eh immer der Selbe. Trotz allem endet auch dieser Vorlauf wieder sehr gut für mich, ich werde wieder Dritter. Schnell die Autos getauscht und schon wird die grüne Schüssel wieder um den Kurs gesteuert, naja zumindest Versuche ich es, das Auto macht aber nicht so recht was ich will. Nach drei verpatzten Runden und bereits jetzt weit abgeschlagen dem letzten Platz, beschließe ich das Material und meine Nerven zu schonen und beende den Lauf vorzeitig.
Dicke Luft im Rennstall vor der Mittagspause. Unwillig erkläre ich meinem Auto wie es sich auf der Strecke zu verhalten habe, während ich die Reifen wechsle da die Antriebsräder schlimmer aussehen als die anderen beiden. Mangels Kantine wird zum Mittags-Frühstück dann McDonalds aufgesucht. Nicht weil es gut ist, sondern weil es da ist und offen hat. Im Gegensatz zur Kantine, die Rennsontags wegen Reichtums geschlossen bleibt. Linz eben, heiliges Wochenende und so. Einen belustigenden und vor allem endlich sättigenden Ausflug später werden auch schon wieder Autos geputzt und Akkus geladen. Xal war so lieb mir mein Ladekabel zu reparieren und somit war die Hauseigene Werkstatt wieder vollständig. Die Mittagspause war mit 30 Minuten auch recht kurz angesetzt und ich muss mich beeilen wenn ich rechtzeitig fertigwerden will. Der übliche Stress in der Zweiklassen-Gesellschaft  :P.
Startaufstellung zum ersten Finallauf: Trotz meiner guten Vorlaufplätze bleibe ich Starter Nummer fünf. Da ich schon lange aufgegeben habe das System zu verstehen zu versuchen, stört es mich nicht. Die letzten Sekunden werden runter gezählt und schon ertönt das Startsignal. Alle Autos setzen sich in Bewegung und schon in der ersten Kurve gelingt es mir einen Platz gut zu machen und im Laufe der folgenden Runden noch einen. Ich konzentriere mich voll und ganz auf das Fahren und plötzlich  knallt mir ein Auto das eigentlich zum überrunden Platz gemacht hat in mein Auto. Sehr zum Leidwesen meines Boliden, denn dieser ließ sich nun nicht mehr steuern. Ärgerlich drehe ich mich von der Strecke, der Wunsch etwas oder jemanden zu schlagen ist … unglaublich groß. Walter, der gerade Streckenposten macht ist so freundlich mein Auto von der Strecke zu nehmen, findet auch gleich den Fehler und kann ihn beheben. Ich kann also meine Verfolgungsjagd vom sechsten Platz fortsetzen.  Ich bemühe in meiner Verfolgungsjagd, aber es ist wie verhext, jedes Mal wenn ich zum violetten Auto zum überrunden komme macht mir dieses Platz nur um mir dann wie ein Geschoss ins Auto zu knallen. Es fällt mir schwer aber ich bewahre die Fassung und beende den Lauf immerhin noch als vierter. Noch ist nichts verloren denk ich mir und tausche meine Autos.
Es beginnt der erste Finallauf für die grüne Hölle in Linz. Stefan hat leider Probleme mit seinem Boliden und muss den Lauf mangels Beschleunigung vorzeitig beenden. Schade, denn mit seinem gelb-orangenen Auto war er ein Prima Safety-Car für mich. Ich hab doch glatt meine grüne Schüssel angehängt und bin ihm mit gemächlichem Tempo nachgefahren, nachdem er mich einige Male überredet hatte fuhr ich dann doch vorbei und ließ mein Safety-car hinter mir. Ich war natürlich schon wieder letzter, aber diesmal störte es mich nicht, denn mein Auto gehorchte endlich meinen Lenkbefehlen und verweigerte das Ausbrechen des Hecks zur Abwechslung einmal. Mit einem Lächeln im Gesicht fuhr ich dem Feld nach und beendete glücklich den Finallauf als letzter.
Ich verrichte wieder meine Arbeit als Streckenposten und richte meine Autos für den nächsten Durchgang her. Danach wird wieder getratscht und den anderen Läufen ein wenig zugeschaut.
Die Autos stehen bereit zum Start des zweiten Durchganges der Klasse Stock. Der Start glückt erstaunlicherweise schon wieder auf Anhieb, doch dieser Lauf sollte noch schlimmer werden als der vorherige. Abgesehen von einem unwürdigen Gerangel in den ersten Kurven wird mein Auto beim überrunden wieder einmal von einem violetten Auto gerammt.  Erstaunlicherweise hat der junge Lenker eine gute Trefferquote. Von insgesamt acht Kontaktmöglichkeiten hat er die meisten zum Wegschieben meines Autos genutzt und dabei immer eine andere Taktik angewandt. Auf der einen Seite ist mir natürlich völlig klar das so etwas schon einmal passieren kann. Aber bei dieser Häufigkeit vermute ich System dahinter.  Der Lauf endet endlich und mein Interesse an einer Platzierung ist absolut nicht vorhanden. Ich freue mich mit vernünftigen Fahrern und der grünen Schüssel fahren zu dürfen. Das will wohl etwas heißen.
Schon startet auch der zweite Finallauf der M-Chassis-Klasse. Ich komme gut zurecht mit meinem Auto und interessiere mich mehr für das flüssige Durchfahren des Kurses als stur auf meine Platzierungen zu achten.  Im zweiten Drittel des Rennens allerdings passiert mir ein unschöner Patzer. Wir befanden uns zu dritt auf der Geraden und ich wollte an Fahrzeugen die meines gerade überrundet hatten dran bleiben und Zog am Gashebel.  Wider erwarten beschleunigte das direkt vor mir fahrende Auto nicht bzw. wenn dann langsamer als meines und noch bevor ich irgendwie reagieren konnte fuhr ich auf und beide Autos kullerten von der Strecke.  Fassungslos entschuldige ich mich beim Fahrer des Minis und warte auf Konsequenzen. Es gab aber keine. Abgesehen von meinem schlechten Gewissen. Erwartungsgemäß beende ich den ansonsten unspektakulären Finallauf natürlich an letzter Stelle.
Ich räume meine Autos weg und darf wieder Streckenposten machen, bei der Gentlemen Klasse. Wobei, das was da gezeigt wurde, speziell von einem Auto war alles andere als einem Gentlemen würdig. Nach einem Fahrfehler kürzte ein Fahrer ein ganzes „Ohrwaschel“ ab nachdem er sein Auto wieder unter Kontrolle hatte. Der Rennleitung scheint das nicht aufgefallen zu sein. Bei mir hätte es für so ein Abkürzen einen Satz heiße Ohren gegeben.  Aber es erklärt nun auch warum der Detlef in der Stock-Klasse so fährt wie er eben fährt. Als gelehriger Padawan-Schüler macht er alles nach was er von seinem Meister sieht. Ein knappes Ergebnis ist es unterm Strich, aber Xals Auto fährt als erster über die Linie und das abkürzende Auto sehr knapp dahinter an zweiter Stelle. Wie gesagt, es geht ja leider nicht nach mir, sonst wär der Abkürzer weiter hinten gewesen. Nach diesem Fassungslosmachenden Lauf bereite ich meine Autos wieder vor auf den nächsten Durchgang. Natürlich nicht ohne Xal zum ersten Platz zu gratulieren, den er sich fair erfahren hat.
Ich überlege gemeinsam mit Stefan ob wir nicht jetzt schon unsere Zelte abbrechen wollen und heimfahren. Die Urkunden kann ja jemand anderer auch Drucken. Denn er kann nicht mehr fahren weil sein M-Chassis leider kaputt ist und ich will eigentlich nicht mehr. Wir einigen uns doch noch zu bleiben.  In meinem Gehirn spielen sich seltsame Szenen ab beim reflektieren des eben gefahrenen Stock-Durchgangs. Die Frage warum ich mir das eigentlich antue kann ich mir nicht einmal annähernd beantworten. Mit dem großen Auto komm ich gut zu Recht, es ist mir fast schon eine Spur zu langsam. Ich treffe also innerlich eine Entscheidung. Ich beende meine Stock-Karriere an dieser Stelle und werde mein Glück in der nächst höheren Klasse, der Euro-Tourenwagen versuchen. Sollte ich dort scheitern bleibt mir immer noch die Gewissheit es versucht zu haben.
Ich lasse also den dritten Stock Lauf aus und schaue mir das Schlachtfeld vom Seitenstreifen aus an. Ich fasse den Lauf so zusammen, abgesehen von einem Neustart weil wieder mal einer seinen Finger nicht ruhig halten konnte und zu früh losfuhr habe ich wirklich nichts mehr verpasst. Das Violette Auto räumt wieder das Feld auf und die wenig Glücklichen die er nicht getroffen hat fahren sich die ersten 3 Plätze aus. Ich fahre noch den dritten und letzten Finallauf im M-Chassis mit und beende diesen wenn auch mit deutlich weniger Rückstand als sonst erwartungsgemäß auf dem letzten Platz. Trotzdem bin ich glücklich darüber mit dem grünen Biest recht gut ausgekommen zu sein. Da allerdings der nächste Satz Reifen beim M-Chassis schon wieder kaputt ist, ist es fraglich wie oft wir noch gemeinsam Ausreiten werden. Wahrscheinlich erst wenn Tamiya die „reinforced“ Reifen auch mal wirklich reinforced.
Während die Fahrer die bereits fertig sind beginnen einzupacken, packe ich aus. Denn ich richte mein Auto gleich für die schnellere Klasse her. Die Fahrer der Euro-TW scheinen mir übrigens bezüglich meines Vorhabens nur mit wenig bis gar keiner Begeisterung  zu begegnen.  Aber auch das ist eine andere Geschichte. Ich hole mir noch meine Urkunden ab, und warte ungeduldig auf die Verlosung.
Das Warten hat sich mehr als ausgezahlt, da ich als Erster gezogen werde kann ich auch noch einen zusätzlichen Gensace-Akku sichern. Der Renntag hat also schön begonnen und auch schön geendet.
Nachdem die offiziellen Feierlichkeiten vorbei sind, packen auch Stefan und ich unsere drei Kubikmeter Zeug wieder ins Auto und treten fröhlich tratschend die Heimreise an.

 

5 Comments

  1. Sehr leiwand 😀
    „In der Weltstadt Linz sind Straßen eben noch Straßen und kein Dekorationsmaterial für Verkehrsschilder wie in Salzburg.“
    „Es ist uns mittlerweile ja nicht mehr neu, dass den Linzern das Wochenende heilig erscheint und nach Möglichkeit alles geschlossen ist an Samstagen und Sonntagen. “
    „Der Weg zwischen Hotel und Rennstrecke führt bei einer McDonalds-Niederlassung vorbei, aber wie könnte es in Linz auch anders sein, auch hier stehen wir vor verschlossenen Türen. Liebe Linzer, …. ach lassen wir das, ist ja sinnlos.“

    Das beschreibt auch genau meine Erfahrungen die ich mit Linz gemacht habe… naja die Bim fehlt noch ^^.
    Finds interessant für was es Regeln gibt und vorallem „eigentlich“ unparteiische Leute die dafür da sein „sollten“ aufzupassen das diese auch eingehalten werden. Aja und Gratz zum Akku.

    Drück dir die Daumen für die Euro-TW… :þ.

  2. Huhu Lucas

    Einfach wieder genial geschrieben, dein Bericht. 🙂
    Allerdings weniger genial der unfaire Fahrer des violetten Autos. Bei mir wäre der jetzt einfach tot, toter als tot. Sowas geht ja einfach gar nicht. :no: Ich bewundere deine Ruhe, wenn er dich immer und immer wieder versucht abzuschiessen.
    Solche hirnamputierten Idioten wären für mich ein Grund mit dem Hobby aufzuhören. Anscheinend interessiert es die Rennleitung ja nicht, wenn unfair „gespielt“ wird. Wozu sind die eigentlich da? Braucht es die überhaupt? 😛
    Für die Euro-TW drücke ich dir die Daumen, hoffentlich hat es da nicht so viele hirnamputierte Fahrer. 😎
    Glückwunsch zum Akku. :yes:
    Liebe Grüsse
    Patrizia

    • Naja, der Fahrer war richtig anstrengend, aber unterm Strich glaube ich nicht daß die Crashes absichtlich erfolgt sind. Auch wenn es sich zeitweise so angefühlt hat. Der kleine Mann gehört wohl einfach mal intensiv eingeschult, vielleicht ist das sogar schon passiert. Ich kann bei beidem nur raten. Es bleibt unterm Strich halt eine Freizeit-Beschäftigung, da sollte man dem Ärger nicht zu viel Platz lassen. Ausserdem ist ja nach dem Rennen wieder vor dem Rennen 😀

  3. Einen 8-Jährigen als hirnamputierten Idioten zu bezeichen, zeigt von Klasse und Niveau!

    Gratuliere!!!

    • Nicht nur RC-Insider lesen hier mit sondern auch Freunde die meine Berichte interessieren. Ich weiß ganz sicher, daß Stellina nicht wusste wie alt der junge Fahrer ist und das unter diesem Gesichtspunkt auch ganz sicher nicht so gemeint hat.
      Der Eindruck den der Bericht für einen nur Lesenden hinterlässt, ist sicher ein ganz anderer als für die die dabei gewesen sind.

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